Saar-Ski-Talente aus der Traumhalle?

Präsident Heinz Müller träumt von der "Zweiten Liga" und hofft - nicht zuletzt durch Olympia - auf einen Mitgliederzuwachs

Schnee-Garantie in der Skihalle: Im lothringischen Amnéville dauert die Wintersport-Saison quasi das ganze Jahr. Foto: SZ

Die Olympischen Winterspiele in Turin - 17 Tage Sport satt. Viele wollen davon profitieren. Auch der saarländische Skiläufer- und Bergsteigerbund. Und sei es nur durch einen Mitgliederzuwachs. Die "SZ" liefert eine Bestandsaufnahme.

von sz-redakteur walter koster

Saarbrücken/Amnéville. Glück gehabt, denn wir erwischen ihn sprichwörtlich zwischen Tür und Angel. Heinz Müller will gerade in voller Ski-Montur sein Haus in Saarbrücken-Klarenthal verlassen. Immer montags, kurz nach 14 Uhr, steigt der 70-Jährige in einen Kleinbus. In seiner Begleitung: drei Trainer und 22 Kinder, die sich auf weitere zwei Kleinbusse verteilen. Die Karawane hat ein gemeinsames Ziel: die im Dezember 2005 neu eröffnete Skihalle im lothringischen Amn&;ville, 90 Kilometer oder eine gute Stunde von Saarbrücken entfernt.

Für Heinz Müller ist diese moderne "Schneehalle" jedenfalls ein Glücksfall. Und so gibt er die Hoffnung nicht auf, dass sein Traum eines Tages wahr wird: "Hier, wo die Kinder schon ab dem Alter von sechs Jahren im Aufbautraining geschult werden, einmal Talente herauszufinden, um in der Zweiten Liga zu spielen." Müller vergleicht die Zweite Liga mit verschiedenen Ebenen, die bis zur Liga zwei führen. Von der Vereinsebene über die Landesverbandsebene führt der Weg der Besten in die Punkterennen des Deutschen Skiverbandes (DSV). "Die Crème aus diesen Punkterennen wird dann für den C-, D- und A-Kader im DSV nominiert. Wer es von denen wiederum schafft, für den ist die nächste Station der Europa- und schließlich der Weltcup", erläutert der Präsident den möglichen Erfolgsweg.

Nach Müllers Aussage hat Deutschland den Anschluss an die Ski-Weltelite verpasst - was aber nicht am Skiverband liege: "Die Alpen und somit die Skigebiete sind halt weit weg von uns. Oft mangelt es den Gemeinden auch an Pisten und Schneehilfen. Und natürlich spielen die klimatischen Verhältnisse in unseren Regionen eine nicht unbedeutende Rolle", versucht Heinz Müller das Desaster fehlender deutscher Skigrößen zu erklären.

Dass großes Interesse an dieser rasanten Sportart auf zwei langen, schmalen Brettern selbst im eher schneearmen Saarland, vorhanden ist, beweisen Zahlen: 10600 Mitglieder, die in 56 saarländischen Vereinen von 350 Übungsleitern einschließlich Trainern betreut und geschult werden, gehören dem Verband an. Davon betreiben 80 Prozent den alpinen Skisport, unter ihnen 2000 Jugendliche. Die restlichen 20 Prozent sind Wanderer und Bergsteiger. "Natürlich erhoffen wir uns von den Olympischen Winterspielen auch einen Mitgliederzuwachs", sagt Heinz Müller, der seit 1979 dem Saarländischen Bergsteiger- und Skiläuferbund als Präsident vorsteht. Um aber in Sachen Mitgliederzuwachs auf Nummer Sicher zu gehen, bedient sich der Verband zudem eines speziellen Konzepts. "Haben wir uns bisher von Verbandsseite eher zurückgehalten, so versuchen wir jetzt, aktiv in die Mitgliederwerbung einzugreifen, indem wir auf künftige Mitglieder zugehen", erläutert Müller das neue Verbandskonzept.

Wird sich die Zahl der Mitglieder beachtlich erhöhen, dann werden Präsident, Trainer und Kinder außer montags auch noch mittwochs oder donnerstags ab 14 Uhr in voller Ski-Montur bereitstehen. Und die Karawane wird dann mit vier oder fünf Kleinbussen davonrollen - nach Amnéville in die Traum-Schnee- und Skihalle. Zum (Aufbau)-Training - eventuell sogar für die "Zweite Liga" des Skisports.

 

Informationen über den Saar-Bergsteiger- und Skiläuferbund bei Heinz Müller unter Tel. (06898)935565 und unter www.sbsb-saar.de; Infos über die Skihalle unter www.indoor-ski-amneville.com.

 

Stand: 07.09.2011